Privatweingut Hart
2022 Souvignier Gris Erste Lage Qualitäts-Wein trocken 0,75L
2022 Souvignier Gris Erste Lage Qualitäts-Wein trocken 0,75L
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Bukett:
Erster Eindruck bei dieser Spätlese des Souvignier Gris ist seine abgerundet fernöstliche Gewürzhaftigkeit mit der zarten, aber dennoch deutlichen, hier leicht dem Pfifferling verwandt wirkenden Art von Curcuma, gefolgt von geriebenem Ingwerpulver, etwas Galgant und beinahe versteckt eingebundenem Cumin. Hinzu kommt eine dezente Wiesenblüten-Art und Spuren von Maiskeimöl.
Langsam erkennt man seine besondere Fruchtfeinzeichnung mit frischen und gedörrten Aprikosen, Speisekürbis, Quitte und Papaya, während sich über einen spürbaren Mirabellenton und eine leichte, nur mit viel Fantasie verbalisierbare Burgunderähnlichkeit eine Verbindung sowohl mit dem Weißburgunder, als auch mit dem Chardonnay herstellt, die ganz besonders anziehend wirkt. In der Wesensart, der Zusammensetzung und der Expressivität ein eindrucksvoll individuelles Bukett.
Geschmack:
Erwartungsgemäß folgt der erste Gaumeneindruck konsequent dem Duft des edlen Weines. Nur ist jetzt sofort klar, was hier von der ausgeklügelten Gewürzzusammenstellung gewürzt wird. Nicht nur sind es die schon nasal angeklungenen Früchte, die hier von Curcuma, Ingwer und Galgant profitieren, sondern man denkt bereits an ein edles Reisgericht mit Hähnchenbrust oder Rotbarsch, – auch falls der vorzüglich kompromisslos trockene Tropfen nach der Speise gereicht wird, wozu er mühelos in der Lage ist, denn seine Komplexität verlangt förmlich danach, solistisch alleinezustehen.
Mit dem zweiten Schluck türmen sich seine Aprikosen- und besonders die Papaya-Aromen auf, streifen nur leicht den Speisekürbis, lassen die Quitte als blumige Variante hinzutreten und münden schließlich in markige Honigmelone, was sich auch in der ganz besonders feinrauh angelegten, beinahe minimal pulvrigen Textur dieses in jeder Hinsicht überwältigenden Gewächses zeigt.
Ein Wort zu seinem vollständig trockenen Charakter: Obwohl er durchgegoren nur noch einen rechnerisch relevanten Restzucker von 2,7 g/l aufweist, hat die suggerierte Fruchtfülle derart viel Kraft, dass der überragende Wein bei milden, vollkommen ausgereiften Säuren zwar nicht halbtrocken, aber doch so wirkt, als befände er sich auf dem Weg dorthin. (Jeder andere Wein, der nicht aus vollreifem Lesegut gewonnen wurde, scheint von diesem Spitzengewächs Lügen gestraft zu werden.)
Im Abgang dürfen auch ein paar weniger exotische Momente als abwechslungsorientierte Kontraste mitwirken und erkennbar werden: Frischer Apfelkompott wäre da zu nennen, ein leichtes Streiflicht von Anis und ein ferner Gruß von Eiche, auch wenn der Wein keinen Moment lang Eichenholz gesehen hat. Daran knüpfen sich noch komplett unbehandelte Cashews und Sonnenblumenkerne.
Gegen Ende kehren sogar die sachten Bukett-Anklänge an Maiskeimöl zurück, auch wenn der feinmatt wirkende Tropfen nicht betont ölig wirkt. Nach einer gewissen Vertiefung bestätigt sich auch am Gaumen eine erstaunliche Ähnlichkeit mit einem hochwertigen, trockenen Chardonnay und gewissen Momenten eines hochkarätigen Weißburgunders.
Von den in der Literatur oftmals beschriebenen Weißweintanninen ist bei diesem Thüngersheimer so gut wie nichts wahrnehmbar, – lediglich die oben angesprochene, ganz fein angerauhte Textur weist minimal in diese Richtung.
Auf einem (wohl aus eigener Kraft erzielten) Alkoholgehalt von 13 2⁄3 % vol. beruht ein schier endloser, proportionsgetreuer Nachklang, der alle beteiligten Aromen bis zuletzt durchweg minutiös beleuchtet, wodurch dieser gehaltvolle Tropfen in all seinen Facetten pure Harmonie bis zuletzt verströmt.
Nachwort:
Gerade in Franken reiht sich der Souvignier Gris lückenlos in die Palette der wertvollen Gewächse ein. Nach Pinot noir, Pinot Madeleine, Pinot meunier, Pinot blanc und Pinot gris, Chardonnay, Sauvignon blanc, Cabernet Blanc, Cabernet Dorsa u. a. ein weiteres Gewächs mit französischem Namen, das es in einer Zeit, in der man keine Experimente wünscht, nicht leicht haben dürfte.
Wer ihn jedoch bereits probiert und die hohe Qualität erkannt hat, die von einem fränkischen Spitzensilvaner genauso wenig weit entfernt ist wie von einem herausragenden Weißburgunder oder einem erlesenen Chardonnay, der wird die Vorurteile hoffentlich im gleichen Zuge abgelegt haben und ihn vorbehaltlos genießen.
Die Rebsorte:
In der Absicht, pilzwiderstandsfähige Rebsorten zu gewinnen, gelang Norbert Becker im Jahr 1983 am Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg die Kreuzung von Seyval Blanc mit Zähringer und erhielt so den Souvignier gris. Ursprünglich wurden als Elternsorten Cabernet Sauvignon und Bronner angenommen, was jedoch 2019 durch Genomanalyse widerlegt wurde.
Gegen Oidium, Peronospora und Botrytis cinerea besitzt die Sorte eine hohe Widerstandskraft, was sich durch die lockere Laubwand, die Lockerbeerigkeit und die recht kräftige Beerenhaut noch verstärkt. Auffällig ist auch das leicht geleeartige, stark pektinhaltige Fruchtfleisch, das im Vergleich zu anderen weißen Rebsorten deutlich höhere Tanningehalte aufweist.
Häufig wird den Weinen des Souvignier Gris eine Ähnlichkeit mit Burgundersorten nachgesagt; bisweilen hält man ihn sogar für komplexer und stoffiger als Weiß- und Grauburgunder. Von Grünem Apfel, Birne und Mirabelle reichen die Aromennähen über Pfirsich angeblich bis hin zu Maracuja auf der einen und Darjeeling-Schwarztee auf der anderen Seite.
Um eine solche Differenzierung zu erzielen, muß die enorm fruchtbare Sorte allerdings erheblich im Ertrag reduziert werden.
Verschluß: Hygienischer BVS-Anrollverschluß, Garant für unbeeinflußte Aromenentwicklung durch Luftabschluß und oxidationslose Reifung
Zusammenfassung der wichtigsten Analysen-Daten:
Alkohol in % vol. ; Rest-Zucker & Gesamtsäure Werte in g/l = Gramm im Liter ; L F = geschätzte Lagerfähigkeit ab 1/24 in Jahren bei ca. 8-12 °C
Alkohol: nA13,6 / Zucker: 2,7 / Säure: 5,3 / L F: 8
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